Gruppe 13


Räuberpistolen für den Hausgebrauch


Transkript einer partiellen Ejakulationschronik

von Gundolf Bresenz und Ficky Zwölf

Es begab sich eines rauhen Septembermorgens, dass der Voltigeur die Stallbox seines Pferdes aufsuchte. Das große Tübinger Festival der Pferdekunst stand unmittelbar bevor und er wollte seinem treuen Tier den letzten Feinschliff verpassen. Als er jedoch die Stalltür öffnete war er überrascht, ob des Anblicks eines abgekauten Knochenmannes in schwarzer Lederkluft.
„He da“, entfuhr es dem Voltigeur, als er beinahe über ein in der Tür stehendes Kickboard stolperte.
Langsam drehte sich das modisch unglücklich gekleidete Skelett zu ihm und achtete dabei tunlichst genau darauf, seinen Starbucks-To-Go-Becher und sein rubinbesetztes Glashütte-Replikat prominent im Blickfeld des überraschten Gesprächpartners zu platzieren.
„Salam alleiko…“, grüßten die animierten Gebeine den Leistungssportler.
„Bitte?“ „Verzeiht mir! Ich habe aus beruflichen Gründen viel Zeit auf einer Insel nahe Kuba verbracht.“
„Das ist ja interessant, aber was machen Sie in meinem Stall? Arbeiten Sie hier?“, fragte der leicht zurückgebliebene Pferdeturner.

„Jackpot“, dachte Penny.
Es war bereits 9 Uhr und er hatte erst dreimal gewichst. Der Stalljunge liebte es, Gespräche von Fremden zu belauschen und dabei herzhaft und ungeniert zu masturbieren. Er stellte seine Bierdose vorsichtig zur Seite und öffnete sich genüßlich seine graue Cargohose, um sein pulsierendes Gemächt in beide Hände zu nehmen.

„Könnte man so sagen, allerdings habe ich gerade die erotischen Pferdefotos an den Wänden bewundert. Mir ist aufgefallen, dass es sich um nackte Pferde beiden Geschlechts handelt. Wie wollen Sie mir das erklären?“, fragte der fleischlose Fremde.
Überrumpelt von dieser direkten Frage stammelte der Voltigeur: „Die gehören Deutsches Erwachen.“
„Deutsches Erwachen?“
„Dem Pferd, sie gehören dem Pferd, Alter!!!“, entfuhr es dem Voltigeur und er klatschte sich dabei aufgeregt mit der Flachen Hand auf die Stirn.
Der Knochenmann gaukelte gekonnt Desinteresse vor, machte eine bedeutsame Pause, drehte sich langsam um 45 Grad und sprach: „Gestatten, Sensemann der Name. Ich besitze ein fabrikneues Sportcoupé und bin gern gesehener Gast auf flotten Partys.“
Der Voltigeur erbleichte augenblicklich wie ein Glas Milch auf dem Nachttisch eines erfolglosen Priesters.
„Du bist der Tod? Was machst du hier?“
Heimlich ließ er sich auf alle Viere fallen, in der Hoffnung so ungesehen aus dem Stall schleichen zu können.

Penny war schon voll dabei. Die überraschende Wendung, die das vorher noch harmlos wirkende Gespräch nun nahm, erregte ihn außerordentlich. Er wagte sich noch etwas weiter aus dem Heu hervor, um besser sehen zu können.

Die Einsicht über die Aussichtslosigkeit seines geplanten Fluchtversuches bewog den Voltigeur dazu, sich widerwillig vom Stallboden zu erheben.
„Ist es Hodenkrebs? Ich habe immer geahnt, dass mich das Voltigieren krank macht.“
Der Tod griff ihm zielsicher und routiniert in den Schritt. „Einmal Husten, bitte!“
Der Voltigeur wieherte erschrocken auf.
„Alles in Ordnung, die Klöten sind sauber.“ beruhigte der Tod mit seinem stetigen Grinsen im Gesicht. „Außerdem bin ich nicht ihretwegen hier. Ich habe einen anonymen Tipp bekommen, dass hier ein Terrormassaker in der Loge stattfinden wird. Soll ‘ne ziemliche Sauerei geben.“
Der Voltigeur aber wollte dem Tod nicht glauben. „Töte mich nicht, ich mache dir ein unschlagbares Angebot. Wenn du mich am Leben lässt, verrate ich dir meine geheime Rezeptur für Trinkpommes!“

Bei der von Vorstellung von Trinkpommes explodierte Pennys zuckende Lunte und schleuderte seinen frisch gezapften Samen mit einem donnernden Blitz Richtung Deutsches Erwachen. Die Erde bebte und schien für einen winzigen Moment aus der Umlaufbahn zu geraten. Es folgten lange Sekunden der Stille. Selbst der Sensenmann verlor für einen Augenblick sein fieses Grinsen.
Das Pferd schrie auf und vergrub seine Hinterbeine mit zwei gezielten Tritten tief in der Lendengegend des Voltigeurs. Dieser krümmte sich vor Schmerzen und wandt sich wie ein betrunker Aal auf dem Stallboden. Tot.

Der Tod zwinkerte dem von der Intensitäts seines eigenen Höhepunktes überraschten Stalljungen zu und zündete sich eine Newport an. Es war die letzte aus der Packung, welche er lässig zerknüllte und achtlos in eine dunkle Ecke des Stalls warf.
„Wie ironisch“, lachte er mit klapperndem Kiefer.

Betont jugendlich schwang er sich auf Deutsches Erwachen, schrie „Auf zu neuen Abenteuern!“ und ritt in die aufgehende Abendsonne. Noch heute sieht man die schimmernden Juwelen seiner Armbanduhr wie Sternschnuppen am Himmel leuchten.