Gruppe 13


Räuberpistolen für den Hausgebrauch


Weihnachten bei den Robotnis

von Lupo Scholz

Schon auf der Türschwelle zur elterlichen Wohnung nahm ich den feinen Duft leicht angeschmorter Kabel wahr. Mutter öffnete die Tür und begrüßte mich herzlich. Im Wohnzimmer waren bereits alle versammelt: Opa, Oma, mein Vater, Spamela, Platina, ihr neuer Freund Ubuntu und natürlich der kleine Lolbert.
Eine große Tanne stand in der Ecke, geschmückt mit bunt blinkenden LEDs, darunter kleine Teller mit leckeren Bits und schokoladigen Bites. Und jede Menge Geschenke.
Ich begrüßte alle und legte meine Präsente dazu. Richtig viel Mühe hatte ich mir dieses Jahr gemacht, komplizierte Programme hatte ich laufen lassen, um für jeden das perfekte Geschenk zu finden. Das Ergebnis war leider trotzdem etwas mau ausgefallen: Für die meisten Familienmitglieder gab es mal wieder neue Speicherchips. Für uns Roboter quasi die Socken unter den Weihnachtsgeschenken…
Aber egal, jetzt erstmal hinsetzen und ordentlich was mampfen. Es war gut aufgetischt worden: In der Mitte des Tisches stand eine große, dampfende Festplatte. Bestimmt 300 Terabite. Mmmh.
Wir bedienten uns, quatschten und lachten viel. Gemütlich saßen wir zusammen im Schaltkreis, der Strom floss in Strömen und die Stimmung stieg mit jedem Volt.
Der kleine Lolbert, der die ganze Zeit brav auf seinem Stuhl gesessen hatte, begann mit seinem großen Auftritt. Er hatte für heute selbst ein kleines Programm geschrieben und begann nun, es uns vorzutragen:
„01101011001…“
Ganz schön viele Fehler drin, aber naja, es zählt ja die Geste. Er hatte sich wirklich Mühe gegeben, der Kleine.
Nun wollte Opa auch mal was zum Besten geben und fing wieder an mit seiner alten Geschichte: „Damals im Krieg gegen die Humane Freiheits-Front…“ aber Mama würgte ihn gleich ab.
Jetzt fing Papa an, auf die übertakteten Kolleginnen auf seiner Arbeit zu schimpfen. „Man muss doch nicht jeden Trend aus Amerika mitmachen.“ Das wiederum stieß Spamela übel auf. Sie hatte sich erst vor ein paar Wochen die Prozessoren ordentlich hochtakten lassen und wollte es heute eigentlich stolz allen erzählen. Mit rot blinkenden LEDs und kurz vor der Überhitzung rannte sie jetzt erstmal vor die Tür, eine rauchen und runterkommen.
In der Zwischenzeit hatte sich Opa, da er ja nicht mehr vom Krieg erzählen durfte, ordentlich mit Ladung versorgt. Leider hatte er dabei seinen künstlichen Strom-Ausgang vergessen und so war sein Megabite-Katheter ausgelaufen. Der komplette Inhalt hatte sich über den Fußboden ergossen und im ganzen Zimmer breitete sich der Gestank von Lithium-Ionen aus.
Ich hüstelte leicht. Dabei verschluckte ich mich – und da war er wieder: mein fieser Bluetooth-Bluthusten. Ich hatte ihn mir letzte Woche im offenen W-Lan eingefangen und war bisher nicht zum Arzt gegangen. „FAQ…“ dachte ich.
Mutter sah mich an und schrie: „Virenscan, schnell, alle Virenscan machen. Reboot! Reboot!“
Platina kniete auf dem Boden und versuchte mit Leibeskräften die Lithium-Ionen-Lache aus dem Flokatiteppich zu wischen.
Spamela kam wieder von draußen rein und geriet gleich in Panik: „Was ist denn hier los? Hilfe, Hilfe! Ruf einer die 112!“
Der dicke Ubuntu schrie sie an: „Wer kann denn hier bitte ne 2? Wir können doch alle höchstens 110!“
Dem kleinen Lolbert war anscheinend bei dem ganzen Stress eine Sicherung durchgeknallt, er roflte nur noch vor sich hin.
Ich schlug die Hände über dem Prozessor zusammen und schaute stur nach draußen, wo eine kleine Drohne flink ins Drohnenhäuschen flog, um sich mit ein paar Watt zu stärken.
Es war einfach mal wieder das perfekte Weihnachtschaos ausgebrochen. Ich wusste nicht, ob ich weinen oder lachen sollte. Ich entschied mich fürs Lachen und dachte mir: „Ach, Weihnachten. Irgendwie auch schön. Da merkt man mal wieder, dass wir auch alle nur Menschen sind. Oder sowas ähnliches halt.“

„Eine Weihnachtsgeschichte mit Hertz“ PC Power

„Megalol…nicht.“ Enttäuschter Leser, wo sich was anderes erwartet hat.